Das im Jahr 1888 als Sanatorium erbaute Haus wurde vom Schweizer Architekten Hans Wilhelm Auer entworfen, welcher wiederum Schüler und Assistent von Theophil Hansen war. Die Schmidgasse 14 wurde 1895 von Julius Fürth gekauft (einem Nachfahren von Bernhard Fürth, welcher in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der ersten europäischen Zündholzfabrik zum weltweiten Marktführer wurde) und als „Sanatorium für Chirurgie, Gynäkologie und Geburten“ für Frauen der jüdischen Oberschicht betrieben. Unter anderem wurde hier 1911 Marcel Frydman (später Marcel Prawy) geboren. Julius Fürth war ein Studienkollege von Sigmund Freud.
Im April 1938 nahmen sich der 41-jährige Lothar Fürth und seine 34-jährige Gattin Susanne Fürth im Sanatorium mit Giftspritzen das Leben, nachdem sie zuvor von Wiener Nazis wiederholt gedemütigt wurden.
Das Sanatorium wurde anschließend arisiert, fiel nach dem Krieg an die Republik Österreich und wurde bald darauf an die US-amerikanische Regierung vermietet, welche in dem geschichtsträchtigen Gebäude eine Außenstelle ihrer Botschaft einrichtete.
Schließlich, im November 2001 standen Richard und Christopher Andrews, deren Mutter im Sanatorium Fürth geboren wurde und mit den Eigentümern verwandt gewesen war, in der Schmidgasse 14 und konnten ihren Augen nicht trauen. Die beiden Brüder aus Kalifornien waren ursprünglich nach Wien gereist, um nach einem unbekannten Erbteil zu suchen.
In den letzten Jahren meldeten sich immer mehr Nachkommen der Fürths, bis es 2009 schließlich 39 anspruchsberechtigte Erben gab. Eine erste Forderung der Erbengemeinschaft nach Rückstellung wurde 2003 von der Österreichischen Finanzprokuratur abgelehnt, im November 2005 gab jedoch die Schiedsinstanz den Erben Recht und empfahl Österreich eine Naturalrestitution.
Nach Bekanntwerden der tragischen Geschichte der Familie Fürth verzichtete die US-Botschaft auf den Fortbestand des Mietverhältnisses und zog am 31. März 2007 aus dem Haus aus.
Die Erben waren sich nach dem Schiedsspruch schnell einig, dass sie das ehemalige Sanatorium verkaufen wollen und beauftragten Marschall Immobilien GmbH damit, einen Käufer zu finden. Die Situation war komplex, da es innerhalb der letzten vier Jahre immer wieder zu Änderungen und Unstimmigkeiten innerhalb der Erbengemeinschaft kam. Eine Erbin stellte sich zeitweise gegen den Verkauf, es kam zu einer Klage, neue Erben tauchten auf, anderen wiederum wurde das Erbrecht aberkannt.
Im Jänner 2007 gab es schließlich ein Bieterverfahren, bei dem die „AM. Alpha Verwaltungsgesellschaft“, welche von Marschall Immobilien GmbH vermittelt wurde, den Zuschlag bei 9,65 Millionen Euro erhalten hatte. Hinter der Gesellschaft standen zwei ukrainische Investoren, welche jedoch im Zuge der Finanzkrise und auch aufgrund des langen Verfahrens vom Kauf zurücktraten.
Im März 2007 wurde das ehemalige Sanatorium unter Denkmalschutz gestellt.
Unter solch komplizierten Umständen gestaltete es sich verständlicherweise als sehr schwierig, einen Käufer für das monumentale Bauwerk zu finden, doch nicht ohne Grund wurde dieser Auftrag an Marschall Immobilien GmbH erteilt - nach harter und intensiver Arbeit gelang es dem Branchenexperten Peter Marschall im August diesen Jahres, das Objekt an Investoren zu verkaufen, welche in dem Gebäude die Errichtung von Luxuswohnungen planen und mit Design und Ausstattung neue Maßstäbe am Wiener Immobilienmarkt setzen wollen.
Quellen für diesen Bericht sind folgende Zeitungsartikel (chronologisch nach Erscheinungsdatum):
1) „Der lange Abschied“, Die Presse, Spectrum, 24.03.2007, Bernhard Odehnal.
2) „Luxuswohnungen in der Außenstelle der US-Botschaft?“, Die Presse, 01.04.2007, Bernhard Odehnal.
3) „Prachtbau steht seit Jahren leer: Die Erben werden sich nicht einig“, Heute-Zeitung, 01.03.2009, Eva Schweighofer.
4) „Opfer-Profiteure“, profil, 11.05.2009, Marianne Enigl.